“Der Abschied vom Ich”- so lässt sich die Krankheit, die rund 1,4 Mio. in Deutschland betrifft, auf den Punkt bringen. Durch einen langsamen progredienten Untergang der Gehirnzellen kommt es zu den Leitsymptomen Wesensveränderung und kognitiver Beeinträchtigung. Das Kurzzeitgedächtnis wird zunehmend eingeschränkt. Längst eingeübte Verhaltensweisen sind kaum noch realisierbar. Rund 5% der über 65-Jährigen leiden an der senilen Demenz vom Alzheimer- Typ. Doch immer häufiger erkranken auch jüngere Menschen. Alzheimer ab 50 wird präsenile Demenz genannt. Doch was kann man tun?
Eine kurative also heilende Therapie existiert derzeit nicht. Neben der medikamentösen Therapie, die darauf zielt, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen und die psychiatrischen Begleitsymptome z.B. Depressionen oder Unruhe zu mildern, gibt es jedoch Möglichkeiten, den Verlauf der Erkrankung erträglicher zu machen. Dabei ist es wichtig, dass der dementiell Veränderte geistig und körperlich aktiviert wird. So ist es sinnvoll, geistiges Training stets mit körperlichen Übungen zu verbinden. In einem Realitätsorientierungstraining werden alle im Alltag sich bietenden Gelegenheiten genutzt, dem Betroffenen einen Wiedererkennungswert zu geben. So kann beispielsweise eine alte Kaffeemühle Ausgangspunkt zur biographischen Arbeit sein, bei der der Betroffene in alte Erinnerung eintaucht und diese positiv erlebt. Auch im Sinne von Erinnerungsarbeit kann es hilfreich sein, gemeinsam alte Photographien anzuschauen, bestimmte Musikstücke zu hören oder vertraute Speisen oder Gerüche zu genießen.
Mit Hilfe der Verhaltenstherapie können durch positive Anreize größere Selbstständigkeit erreicht und bereits verlorengegangene Kompetenzen wieder gewonnen werden. Dies ist besonders bei Betroffenen mit Alzheimer ab 50 von großer Bedeutung, da sie meist mitten aus ihren Familien und dem Berufsleben herausgerissen werden.
Ebenfalls sehr wichtig ist die Gestaltung der unmittelbaren Umgebung. Durch Orientierungshilfen in der Wohnung, beispielsweise farblich gekennzeichnete Lichtschalter oder ein kleines Nachtlicht, wird eine bessere „Ablesbarkeit“ erreicht was letztlich zur mehr Autonomie des Einzelnen führt. Auch die Organisation des Tagesablaufs gibt mehr Sicherheit. Wer noch möglichst lange Alltagsaufgaben selbstständig bewältigt, gewinnt an Selbstvertrauen.
Der Begriff der stützenden Umwelt, die Stabilität und Verlässlichkeit bietet, fällt auch unter diesen Aspekt. Sehr wichtig sind soziale Kontakte und sei es nur ein kleiner Spaziergang, um der Isolation vorzubeugen.
Demenz ist auch eine Erkrankung der Angehörigen. Sie sind es, die mit dem Betroffenen tagtäglich zu tun haben, ihn pflegen und ihn auf seinem Weg begleiten. Aufgrund der starken Belastung, die mit dem Fortschreiten der Krankheit auf sie zukommt, ist es wichtig sie über die Erkrankung aber auch über die Hilfen aufzuklären, die sie in Anspruch nehmen können. Spezielle Tageskliniken bieten für Erkrankte Programme zur Aktivierung geistiger und körperlicher Fähigkeiten sowie eine sinnerfüllte Beschäftigung und einen strukturierten Tagesablauf. Das entlastet auch die Pflegenden.
Eine große Unterstützung und Bereicherung erleben die Angehörigen in Selbsthilfegruppen unter anderem angeboten von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V. Alzheimer – eine heimtückisch Krankheit. Eine Heilung gibt es nicht aber viele Möglichkeiten, auch mit der Erkrankung ein würdevolles und Leben zu führen.

